Private Anbieter im Schienenverkehr – besser als die Deutsche Bahn?

Vor einigen Wochen hat der Anbieter National Express zwei Regionalverkehrslinien in NRW übernommen. Nun, nach nur kurzer Zeit, hagelt es Kritik von den Verkehrsverbünden und auch Fahrgastorganisationen an der Zuverlässigkeit der Linien. Spannend wird diese Kritik dadurch, dass National Express ab Ende 2019 auch Mitbetreiber des neuen RRX, der Regionalverbindung zwischen Dortmund und Köln, wird.

Leider findet man zu der Kritik keine weiteren Informationen. Anhand der Pressemeldungen lässt sich nur vermuten, dass es wohl Probleme mit Pünktlichkeit und technischen Störungen gegeben hat. Was aber auffällt ist die undifferenzierte Art der Kritik. Hier müssen sich die beteiligten Verbände und Verkehrsverbünde an eine differenzierte Betrachtung gewöhnen.

Bisher war es im Schienennahverkehr recht einfach. Wenn was nicht lief, war die Deutsche Bahn Schuld. Bisher auch meistens vollkommen richtig. Mit der Zunahme von anderen Unternehmen im Schienenverkehr muss hier aber stärker differenziert werden. Jetzt gibt es nicht mehr nur einen möglichen Schuldigen, sondern verschiedene.

Ursache für Probleme im Bahnverkehr lassen sich mindestens auf drei Bereiche aufteilen, den Fahrweg, die Fahrzeuge und den Betrieb. Bisher lag dies meist alles in der Hand der Deutschen Bahn, wenn auch aufgeteilt auf verschiedene Tochterunternehmen. Nun sind für die verschiedenen Bereich aber unterschiedliche Unternehmen verantwortlich. Und so muss auch die Analyse von Problemen aussehen.

Im großen Bereich der Verspätungen müssen die Ursachen viel differenzierter erfasst und betrachtet werden. Lag der Verspätung am betreibenden Unternehmen, weil dieses es nicht geschafft hat, den Zug rechtzeitig bereit zu stellen? Gab es ein technisches Problem mit dem Fahrzeug? Oder lag die Verspätung an Problemen des Fahrweges?

Hier sind die Verkehrsverbünde gefordert, endlich eine aussagekräftige Statistik zu führen und auch zu veröffentlichen. Diese Statistik muss nicht nur die Verspätung erfassen, sondern auch deren Ursachen. Dies ist keine leichte Aufgabe, angefangen von der Frage, wie eine Verspätung gemessen wird bis hin zur Einordnung von Verspätungen, die auf mehreren Ursachen beruhen. Ein schönes Beispiel dazu: Verspätete Bereitstellung des Zuges in Düsseldorf Hbf, Verzögerung durch eine Türstörung in Düsseldorf-Flughafen und schließlich eine Streckensperrung zwischen Essen und Bochum.

Die Problematik der Ursachenanalyse von Zugverspätungen wird in Zukunft noch spannender werden. Bei RRX gehören diese drei Bereiche dann sogar zu drei unterschiedlichen Unternehmen. National Express ist der Betreiber, Siemens ist für die Fahrzeuge verantwortlich und die Deutsche Bahn für die Strecke. In Zukunft muss Kritik an den Leistungen im Schienenverkehr daher dann auch immer differenziert werden.

Gleiches gilt übrigens auch für die Frage der Fahrgastinformation. Wer ist an welcher Stelle für die Information der Fahrgäste verantwortlich und wer ist in welcher Weise für die Weitergabe dieser Informationen an Andere zuständig. Nach dem Stellwerksbrand in Mülheim zeigte die Auskunft des VRR noch Wochen später Züge an, die die Strecke gar nicht mehr befuhren. Die Begründung lautet, die Bahn hätte die Information nicht an den VRR weiter gegeben.

Auch hier wird es dringend Zeit für ein unternehmensübergreifendes Informationskonzept. Nicht die einzelnen Unternehmen müssen für die Fahrgastinformation verantwortlich sein, sondern es bedarf einer zentralen Stelle, bei der Reisende Informationen enthalten. Die einzelnen Betreiber sind dann nur für die zeitnahe Weitergabe der Informationen an diese Stelle und die Information von Fahrgästen in den Zügen verantwortlich.

Ausgangspunkt war die Frage, ob private Anbieter besser sind als die Deutsche Bahn. Leider kann man die Frage derzeit gar nicht beantworten, da ich zumindest keine detaillierten Auswertungen dazu kenne. Allgemein Verspätungsstatistiken reichen nicht aus, da sie nicht nach Verursacher differenzieren.

Die verstärkte Vergabe von Bahnlinien im Wettbewerb ist sicherlich der erste Schritt für eine grundlegende und dringend nötige Reform des Bahnverkehrs. Diese Reform wird letztendlich in einer Trennung von Netz und Betrieb münden müssen. Leider sieht es hier immer noch nicht so aus, als wenn die Schritte in diese Richtung zügig umgesetzt würden. Aber Bahnfahrer sind ja geduldig.

Über Martin Grünendieck

Schreibender Zahlenmensch, Bahn- und Fahrradfahrer, mag Geocaching und klassische Musik.
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